Konzernatlas: Warum wir genauer hinschauen sollten

Ich habe mir den Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und des BUND angesehen – und ehrlich gesagt: Vieles darin überrascht nicht mehr, aber genau das ist das Problem. Wir wissen eigentlich seit Jahren, dass ein kleiner Kreis großer Konzerne enorme Macht über unsere Ernährung, unsere Landwirtschaft und damit auch über Umwelt und Klima hat. Der Atlas zeigt das nicht moralisch aufgeladen, sondern nüchtern, mit Zahlen und klaren Zusammenhängen.

Was besonders hängen bleibt: Vom Saatgut über Pestizide bis hin zum Handel liegt ein Großteil der Kontrolle bei wenigen Unternehmen. Diese Marktkonzentration sorgt dafür, dass Vielfalt verloren geht – auf den Feldern genauso wie bei den Betrieben. Für viele Landwirtinnen und Landwirte bedeutet das Abhängigkeit, Preisdruck und immer weniger Spielraum für nachhaltige Entscheidungen.

Der Konzernatlas macht auch deutlich, wie stark diese Unternehmen politischen Einfluss nehmen. Lobbyarbeit, wirtschaftlicher Druck, blockierte Reformen – all das bremst eine Agrarwende aus, die wir eigentlich dringend brauchen. Weniger Pestizide, mehr Umweltschutz, faire Preise? Klingt selbstverständlich, scheitert aber oft an handfesten wirtschaftlichen Interessen.

Was ich an diesem Atlas schätze: Er bleibt nicht bei der Analyse stehen. Er zeigt auch, dass diese Machtstrukturen kein Naturgesetz sind. Es gäbe politische Werkzeuge, strengere Regeln und Alternativen, die regionale, ökologische und faire Landwirtschaft stärken könnten – wenn der Wille da wäre.

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung leisten mit dem Konzernatlas vor allem eines: Sie machen sichtbar, was sonst gern im Hintergrund bleibt. Wer verstehen will, warum Veränderungen im Ernährungssystem so zäh sind, findet hier viele Antworten.

Für mich ist der Konzernatlas kein Buch, das man einmal liest und dann weglegt. Er ist eher ein Nachschlagewerk – und eine Erinnerung daran, dass Umwelt- und Klimaschutz nicht nur auf dem Acker oder im Supermarkt beginnen, sondern auch dort, wo wirtschaftliche Macht konzentriert wird.

Unter diesem Link könnt ihr den Konzernatlas direkt herunterladen oder euch eine Ausgabe für zu Hause bestellen. https://www.boell.de/de/konzernatlas

Foto: Eigene Aufnahme des Konzernatlas
Quellen: Heinrich-Böll-Stiftung & BUND

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